Juni 2022 – Bei einem durch ein Tier verursachten Schaden kann sich ein Haftpflichtversicherer seiner Regulierungspflicht nicht dadurch entziehen, dass er dem Tierhalter und dem Geschädigten eine übereinstimmende Schadensbeschreibung vorenthält. Dies hat das Bundesgericht am 26. April 2022 entschieden

Die Entscheidung beruhte auf der Beschwerde eines Mannes, der sie zusammengeschoben hatte, indem er seine Hand unter ihr Bettsofa steckte, während sie einen Freund besuchte. Er bemerkte die darunter liegende Katze der Frau nicht und wurde von ihr in die Hand gebissen.

Das Tier ließ auch nicht los. Stattdessen blieb es schreiend an seiner Hand kleben, als er es unter dem Sofa hervorzog.

Der Kläger ließ sich noch am selben Tag wegen des Bisses behandeln. Wegen der kurz darauf auftretenden schweren Entzündung musste er in die Klinik eingeliefert werden. Dort wurde er sechs Mal operiert.

Mangel an Beweisen?
Der Privathaftpflichtversicherer des Katzenbesitzers hatte zunächst seine Leistungspflicht anerkannt. Er zahlte 1.000 € für den vom Opfer geltend gemachten Schaden. Dies reichte ihm jedoch nicht aus. Als er einen höheren Betrag verlangte, lehnte die Versicherung plötzlich seine Haftung ab.

Obwohl der Tierbesitzer die Beschreibung des Mannes voll und ganz bestätigte, hielt die Versicherung den Vorfall nicht für glaubwürdig. Denn wenn sich die Katze wirklich erschreckt hätte, wäre vermutlich nicht der Handrücken, sondern die Handfläche verletzt worden.

Übrigens: Katzen beißen nicht. Der Kläger muss also das Tier provoziert, verärgert und in die Enge getrieben haben, bevor es zu dem Biss kam. Daher hat er sich die Verletzung selbst zuzuschreiben.

Die Vorinstanz schloss sich dieser Argumentation an. Der Kunde konnte seine Beschreibung nicht beweisen. Seine Klage muss daher als unbegründet zurückgewiesen werden. Der Bundesgerichtshof ist diesem Punkt jedoch nicht gefolgt. Er hob das Urteil des Berufungsgerichts auf und verwies die Sache zur erneuten Entscheidung an die Vorinstanz zurück.